Politische Gemeinde Kradolf-Schönenberg

Die Poli­tis­che Gemeinde Kradolf-Schö­­nen­berg, beste­ht aus den vier Dör­fern Kradolf, Schö­nen­berg an der Thur, Buh­wil und Neukirch an der Thur. Sie ist 1996 im Rah­men der kan­tonalen Gemein­dere­or­gan­i­sa­tion ent­standen. Mit ihren rund 3800 Ein­wohner­in­nen und Ein­wohn­ern sowie ein­er Fläche von 11 km² gehört sie zu den mit­tel­grossen Gemein­den im Kan­ton Thur­gau.

Als 1991 die Gemein­dere­or­gan­i­sa­tion in der Region mit ein­er Kon­sul­ta­tivab­stim­mung in den Orts­ge­mein­den begann, hätte nie­mand gedacht, dass am Schluss die heutige Poli­tis­che Gemeinde Kradolf-Schö­­nen­berg entste­hen würde. Von Anfang an war klar, dass sich die bei­den Nach­bardör­fer Schö­nen­berg und Kradolf gerne vere­ini­gen wür­den. Ihr Zusam­men­schluss musste jedoch warten, weil sich die Orts­ge­mein­den Halden, Schweiz­er­sholz, Neukirch an der Thur und Buh­wil schw­er tat­en mit ihrer poli­tis­chen Zukun­ft. Schliesslich entsch­ieden sich Halden und Schweiz­er­sholz für den Anschluss an Bischof­szell.

In dieser Sit­u­a­tion entsch­ieden sich Neukirch und Buh­wil für den Anschluss an Kradolf und Schö­nen­berg. Während dieser Entscheid von Schö­nen­berg klar gut­ge­heis­sen wurde, hat­te Kradolf Mühe damit. Es stimmte der Bil­dung der Poli­tis­chen Gemeinde Kradolf-Schö­­nen­berg erst nach einem inten­siv geführten Abstim­mungskampf im zweit­en Anlauf im Feb­ru­ar 1995 zu.

Heute sind die vier Dör­fer wirk­lich zu ein­er Gemeinde zusam­mengewach­sen. Die Infra­struk­tur ist über­all her­vor­ra­gend aus­ge­baut, das Gemein­deleben funk­tion­iert aus­geze­ich­net und von den dama­li­gen „Geburtswe­hen“ ist heute nichts mehr zu spüren. Kradolf-Schö­­nen­berg ist in allen Belan­gen eine attrak­tive Gemeinde gewor­den und schaut zuver­sichtlich in die Zukun­ft.

Kradolf

Kradolf liegt an der Thur, und zwar an der Stelle, wo der zuvor ungezähmte Fluss in die Ebene tritt und in ein kün­stlich­es Bett geleit­et wird. Früher hat­te das Wass­er willkür­lich seinen Weg gesucht und der Bevölkerung mit seinen Über­schwem­mungen immer wieder grosse Not gebracht, wobei die let­zte, grosse Über­flu­tung des Lan­des jene des Jahres 1910 war. Heute schützt ein Hochwasser­schutz­damm die Häuser in Kradolf und Schö­nen­berg vor der Über­flu­tung. Die über­aus enge Beziehung zur Thur find­et denn auch ihren Aus­druck im Ortswap­pen von Kradolf und auch dem neuen Gemein­de­wap­pen.

Kradolf – einst Chreinthorf, dann Kralaff genan­nt – wird erst­mals im Jahre 883 urkundlich erwäh­nt, und zwar im Zusam­men­hang mit hiesi­gen Besitzun­gen des Klosters St. Gallen. Später gehörte das Dorf den Her­ren von Schö­nen­berg, einem bedeu­ten­den Adels­geschlecht in unser­er Gegend. Der ober­ste Lehn­sh­err des Thur­gaus, der Bischof von Kon­stanz, fasste im Jahre 1360 Kradolf und die benach­barten Dör­fer Schö­nen­berg und Neukirch zum niederen Gerichts­bezirk «Schö­nen­berg­er Amt» zusam­men und übertrug die Ver­wal­tung dem Ober­vogt von Bischof­szell.

Seit dem Mit­te­lal­ter wurde in Kradolf eine Müh­le betrieben, zeitweise waren es sog­ar zwei. Einen bedeu­ten­den wirtschaftlichen Auf­schwung erfuhr das Dorf erst im späten 19. Jahrhun­dert, nach­dem es mit der Eröff­nung der «Bischof­szeller Bahn» im Jahre 1876 einen Bah­nan­schluss erhal­ten hat. Viele Bewohn­er wandten sich nun der Tex­tilin­dus­trie zu, wobei neben der Sei­den­stick­erei im eige­nen Hause vor allem die 1863 gegrün­dete Sei­den­stof­fwe­berei Schö­nen­berg als erstrangiger, regionaler Arbeit­ge­ber Bedeu­tung erlangte. Nicht zulet­zt deshalb wurde im Jahre 1873 der Fährbe­trieb über die Thur durch eine erste Brücke erset­zt, die ihren Dienst rund fün­fzig Jahre lang tat; in den Jahren 1926/27 erfol­gte dann ein Brücken­neubau und im Jahre 1998 kon­nte die neue Schräg­seil­brücke, das heutige Wahrze­ichen der Gemeinde Kradolf-Schö­­nen­berg eingewei­ht wer­den.

Die ältesten fab­rik­mäs­si­gen Betriebe in Kradolf waren die Teig­waren­fab­rik Ernst und die Töpfer­ei im Neuhaus. Mit 75 Beschäfti­gen in Kradolf ist die Zah­n­rad­fab­rik Hum­bel AG heute der zweit­grösste Arbeit­ge­ber in der Gemeinde. Zusam­men mit den Nieder­las­sun­gen in Tschechien, Rumänien und Thai­land ist die Hum­bel AG heute mit 330 Mitar­beit­ern die grösste Unternehmung der Gemeinde.

Heute ist Kradolf mit seinen 1‘585 Ein­wohn­ern die grösste Ortschaft der Gemeinde Kradolf-Schö­­nen­berg.

Eine etwas aus­führlichere Darstel­lung der Geschichte von Kradolf find­et sich in der Festschrift zur 1100-Jahrfeier im Jahre 1983 «Kradolf – unser Dorf an der Thur».

Gui­do Stutz, ehe­ma­liger Sekun­dar­lehrer, hat im Jahr 2022 ein neues Buch von “Kradolf in Geschichte und Geschicht­en” ver­fasst. Es ent­führt uns in die Geschichte von Kradolf und erzählt dabei Geschicht­en über Per­sön­lichkeit­en, Unternehmer, Unternehmen und vieles mehr.
Das reich bebilderte Buch ist bei der Gemein­de­v­er­wal­tung Kradolf-Schö­­nen­berg zu einem Unkosten­beitrag von CHF 20.00 erhältlich.

Schönenberg

Schö­nen­berg wurde 838 unter dem Namen «Thu­ruftis­dorf» erst­mals urkundlich erwäh­nt. Im 15. Jahrhun­dert ging das einst mächtige Geschlecht der Her­ren von Schö­nen­berg nieder. Diese hat­ten auf der Burg «Last» gesessen, von der heute noch eine stat­tliche Ruine zeugt. In dieser Zeit erhielt Schö­nen­berg seinen heuti­gen Namen. Während Jahrhun­derten lebte das Dorf, das nur aus zwei Mühlen und eini­gen weit­eren Häusern und Höfen bestand, vor­wiegend von der Land­wirtschaft. Dies änderte sich, als sich im Jahre 1863 eine Sei­den­we­berei im Dorf nieder­liess. Zusam­men mit dem Bau der ersten Brücke über die Thur im Jahre 1873 und der Eröff­nung der Bahn­lin­ie Sulgen–Gossau («Bischof­szeller Bahn») sorgte dies für ein rasches Wach­s­tum und Auf­blühen des Dor­fes. Der Brück­en­bau hat­te auch das Nach­bar­dorf Kradolf näher rück­en lassen. Bere­its um 1910 zählte Schö­nen­berg 820 Ein­wohn­er. In der Folge prägte die Sei­den­we­berei die Entwick­lung des Dor­fes sehr stark. 1978 musste sie ihren Betrieb ein­stellen. Heute sind vor allem die diversen holzver­ar­bei­t­en­den Betriebe eine wichtige gewerbliche Stütze. Die Holzbau­un­ternehmung Kauf­mann Ober­holz­er AG, mit rund 80 Beschäftigten in Schö­nen­berg und Buh­wil und weit­eren 40 Arbeit­splätzen in Rog­g­wil (TG) ist gar der grösste Arbeit­ge­ber in der Gemeinde.

In Schö­nen­berg am Fusse des «schö­nen Berges» leben heute 1‘483 Men­schen.
Zu den Wahrze­ichen des Dor­fes zählen die Schräg­seil­brücke über die Thur nach Kradolf, der Aus­sicht­spunkt «Klein Rigi» mit dem schlossähn­lich gebaut­en Danc­ing Klein Rigi, die Ruine Last, der alte Dor­fk­ern mit der ehe­ma­li­gen Müh­le, das Weit­e­­nau-Dör­fli (idyl­lis­che Wohn­sied­lung in Riegel­bauweise) und das prachtvoll gele­gene Schwimm­bad «Thur­feld».

Gui­do Stutz, ehe­ma­liger Sekun­dar­lehrer, hat im Jahr 2020 ein Buch von Schö­nen­berg ver­fasst und dieses der Gemeinde zur Ver­fü­gung gestellt. Das Buch “Schö­nen­berg in Geschichte und Gegen­wart” zeigt auf 178 reich bebilderten Seit­en die Entwick­lung des Dor­fes seit der Zeit der bis­chöflich — kon­stanzis­chen Herrschaft bis zur Neuzeit. An das Dor­fleben im let­zten Jahrhun­dert erin­nern her­rliche Erzäh­lun­gen ver­schieden­er Dorf­be­wohn­er und viele alte Fotos.
Das Buch ist bei der Gemein­de­v­er­wal­tung Kradolf-Schö­­nen­berg zu einem Unkosten­beitrag von CHF 20.00 erhältlich.

Neukirch an der Thur

Neukirch an der Thur, das trotz seines Namens gar nicht an die Thur anstösst, trägt den Namen «Neukirch» seit dem 14. März 1555, als es eine eigene Kirche erhielt respek­tive als eigene Kirchge­meinde erk­lärt wurde. Vorher hiess das Dorf «Selyswyl». Im Jahr 1291 wird das Dorf erst­mals unter dem Namen «Eliswile» erwäh­nt. Das bedeutet: Weil­er des Eli. Dieser Name deutet darauf hin, dass der Ursprung in die Zeit der Ale­man­nen zurück­ge­ht, die Anfang des 5. Jahrhun­derts unsere Gebi­ete bevölk­erten. Neukirch bildete zusam­men mit Schö­nen­berg, Halden, Schweiz­er­sholz, Aspen­re­uti, Olmer­swil, Ken­zenau, ein­er Anzahl Einzel­höfen sowie mit Kradolf seit dem Mit­te­lal­ter das «Schö­nen­berg­er Amt», das vom bis­chöflichen Ober­vogt in Bischof­szell ver­wal­tet wurde. In Neukirch lag früher der grosse idyl­lis­che Hör­mooser­wei­her. Während dem zweit­en Weltkrieg fiel dieser Wei­her aber der Anbauschlacht „zum Opfer“ und wurde für die Pro­duk­tion von Nahrungsmit­teln trock­en­gelegt. Ende der 90-er Jahre wurde der unter­ste Wei­her nahe der Säge im Müh­le­to­bel wieder erstellt und dient jet­zt wieder als Wasser­spe­ich­er für die restau­ri­erte Säge. Neukirch wurde in der Schweiz vor allem durch das 1924 Katha­ri­na Blumer (“Didi”) aufge­baute und 30 Jahre geleit­ete Volks­bil­dung­sheim (das “Heim”) bekan­nt. 1954 wurde der Vere­in Volks­bil­dung­sheim Neukirch an der Thur gegrün­det, um ihre Arbeit mit Tagun­gen, Kursen und Ferien­wochen weit­erzuführen, wozu später auch die Inte­gra­tion von Arbeit­slosen gehörte. 2007 wurde wegen man­gel­nder Nach­frage für klas­sis­che Erwach­se­nen­bil­dung das Haus verkauft und der Vere­in aufgelöst.

Wahrze­ichen des Dor­fes sind die ver­schiede­nen Riegel­häuser, das Müh­le­to­bel mit der von Wasserkraft getriebe­nen, restau­ri­erten Säge, die evan­ge­lis­che Kirche sowie das ehe­ma­lige «Heim Neukirch», welch­es heute als Wohn­raum genutzt wird und gele­gentlich Durch­führung­sort von kul­turellen Ver­anstal­tun­gen ist.

Neukirch an der Thur ist eine lebendi­ge Ortschaft, die ihren ländlichen Charak­ter trotz Neubaut­en erhal­ten hat. Nur etwa ein Drit­tel aller Ein­wohn­er wohnen im eigentlichen Dorf. Die übri­gen verteilen sich auf ins­ge­samt 15 Weil­er und Einzel­höfe. Neukirch ver­fügt über diverse kleinere Gewer­be­be­triebe aber keine grossen Fir­men.
Die Lan­di betreibt einen Laden für Lebens­mit­tel, Getränke und Gebrauch­sar­tikel. Post­di­en­stleis­tun­gen wer­den von der Posta­gen­tur Lan­di ange­boten – alles unter einem Dach. Zusam­men mit dem Restau­rant «Sonne» und der Pri­marschule mit Turn­halle ver­fügt Neukirch über ein attrak­tives Dor­fzen­trum. Dank den Neubaut­en der let­zten Jahre hat die Bevölkerungszahl zugelegt und heute leben 479 Men­schen in Neukirch an der Thur.

Buhwil

Die erste urkundliche Erwäh­nung von Buh­wil (Puabin­wilare) geht auf das Jahr 838 zurück. 1291 erfährt man erst­mals von der Burg «Kess­wil», die im heuti­gen Unter­dorf ges­tanden haben soll. 1297 wird die Burg «Wun­nen­berg» erwäh­nt, deren Reste heute noch im Wald ober­halb der Hin­ter­müh­le zu find­en sind. 1387 schliesslich wird von der Burg «Anwil» berichtet, der bekan­ntesten der drei, die heute als Ruine stolz über dem Dorf ste­ht. Das Wap­pen der Her­ren von Helms­dorf, von 1463 bis 1608 Besitzer der Burg, diente als Vor­lage für das Buh­wiler Ortswap­pen. Bere­its 1446 erscheint in ein­er Urkunde erst­mals der Hin­weis auf die erste Müh­le, die «Bötschimüh­le». Sie ste­ht heute nicht mehr. Geblieben ist lediglich die Orts­beze­ich­nung. Die «Hin­ter­müh­le» dage­gen, 1773 erbaut und bis 1900 im Betrieb, zeugt heute noch von der ver­gan­genen Zeit.

Die einzel­nen Ort­steile tru­gen im Ver­laufe der Zeit die ver­schieden­sten Namen. So find­en sich in den Akten – abge­se­hen von den unter­schiedlichen Schreib­weisen von «Buh­wil» – die noch geläu­fi­gen Beze­ich­nun­gen Lin­den­buh­wil, Ansteten­buh­wil und Scher­rers­buh­wil, son­dern eben­so Ritzis‑, Kesslers‑, Helmsdorfs‑, Kun­k­lers- und Hopsen­buh­wil, die jedoch zur Nach­barge­meinde Schön­holz­er­swilen gehören.

Nach­dem sich die Bevölkerungszahl von Buh­wil zwis­chen 1950–1970 um rund ein Drit­tel reduziert hat­te, wur­den ver­mehrte Anstren­gun­gen unter­nom­men, diese Entwick­lung zu stop­pen. Im ganzen Dorf verteilt aber vor allem in der Bre­ite sind neue Ein­fam­i­lien­häuser ent­standen. Die Bevölkerung ist so auf heute 321 Per­so­n­en angewach­sen. Das ehe­ma­lige Bauern­dorf ist ein Wohnort für Leute gewor­den, die auswärts arbeit­en, zum Wohnen aber die ruhige Lage von Buh­wil schätzen. Die Met­all­bau­fir­ma Ker­nen AG hat sich stark entwick­elt und ist heute mit 38 Mitar­bei­t­erin­nen und Mitar­beit­er der grösste Arbeit­ge­ber im Dorf.

Eine aus­führliche Darstel­lung der Entwick­lung von Buh­wil find­et sich im Buch «Von Puabin­wilare zu Buh­wil, 838‑1988, ein Dorf im Wan­del der Zeit», das Hans Reuti­mann aus Anlass der 1150-Jahrfeier von Buh­wil ver­fasst hat.